Wahlen in Ungarn: Gründer von LiveJasmin will Viktor Orban herausfordern

Gyorgy Gattyan for president

Viktor Orbans Herrschaft als Ministerpräsident von Ungarn wird bei den Parlamentswahlen im nächsten Jahr in Frage gestellt. Neben den bereits bestehenden Oppositionsparteien hat der unabhängige Geschäftsmann Gyorgy Gattyan, Besitzer eines Medienimperiums rund um LiveJasmin, angekündigt, eine alternative Kampagne zu führen, um Orban aus dem Amt zu drängen. Viele Beobachter befürchten jedoch, dass Gattyans Kandidatur letztlich dazu beitragen könnte, dass Orban an der Macht bleibt.

Der Eigentümer von Docler, einem multinationalen Medienimperium, das aus dem lukrativen Webcam-Unternehmen LiveJasmin hervorgegangen ist, will bei den Parlamentswahlen in Ungarn im nächsten Jahr eine starke politische Kraft werden. Gyorgy Gattyan möchte Premierminister des Landes werden und den international unbeliebten derzeitigen Amtsinhaber Viktor Orban ablösen, dessen populistische Politik für viele Mitgliedsstaaten der Europäischen Union ein großes Problem darstellt.

Bloomberg berichtet: »In einer Reihe von Facebook-Wahlkampfvideos, die diese Woche veröffentlicht wurden, sagt Gattyan, er wolle sein IT-Fachwissen nutzen, um Kandidaten für jeden der 106 ungarischen Wahlkreise vor den im April anstehenden Wahlen ‚anzuwerben‘. Sie würden sich ihm anschließen, um die digitale Transformation des Gesundheitswesens, des Bildungswesens und der Regierung voranzutreiben.«

Nachdem er durch seine frühen Investitionen in LiveJasmin, einem der größten Anbieter im Webcam-Geschäft mit Niederlassungen in der ganzen Welt, reich geworden war, diversifizierte Gattyan seine Holding Docler in viele Branchen, darunter AdSupply, Dogpound und Ungarns erste Privatuniversität Kodolanyi Janos University. Außerdem ist er als Filmproduzent und Sponsor zahlreicher Filmfestivals tätig. Der Hauptsitz seiner Holdinggesellschaft befindet sich in Luxemburg, Los Angeles und Budapest.

Während ein weltoffener liberaler Geschäftsmann aus westlicher Sicht durchaus begrüßenswert erscheint, scheint Bloomberg besorgt zu sein, dass, wenn Gattyan »seine umfangreichen Mittel für eine unabhängige Parlamentskampagne einsetzen würde, dies möglicherweise die Bemühungen der Opposition erschweren könnte, Orbans Herrschaft nach mehr als einem Jahrzehnt zu beenden. Erst in diesem Jahr ist es einer zersplitterten Gruppe von Parteien gelungen, sich gegen Orbans Regierung zu verbünden, die für die Europäische Union eine ständige Quelle von Konflikten darstellt.«

Auch die bestehende Opposition des Landes ist über Gattyans Vorstoß in die Politik nicht erfreut. Sie befürchtet, dass die Kandidatur Gattyans sie Stimmen kosten könnte, die sie dringend benötigt, um gegen Orbans Fidesz-Partei zu gewinnen.

Gattyan selbst scheint optimistisch zu sein, dass er Orban schlagen und Premierminister seines Heimatlandes werden kann. Auf seiner Website heißt es: »Herr Gattyan hat sich der hochwertigen Freizeitgestaltung und Unterhaltung verschrieben. Sein Ziel ist es, die Fernseh-, Musik- und Filmindustrie mit Hilfe der neuesten und ausgefeiltesten technologischen Lösungen zu revolutionieren. Neben seiner beruflichen Laufbahn ist der Geschäftsmann auch für seine eifrige Wohltätigkeitsarbeit bekannt. In den vergangenen Jahren haben Herr Gattyan und sein Unternehmen mehrere Stiftungen und Vereine mit beachtlichen Spenden bedacht, um Kultur, Wissenschaft, Sport und Umweltschutz zu unterstützen.«

Weitere Informationen über Docler finden Sie hier. Gattyans persönliche Website kann über diesen Link aufgerufen werden.

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