OnlyFans vor historischem Deal: Minderheitsbeteiligung zu über 3 Milliarden Dollar – und ein neuer Finanzdienstleister für Creator?

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Nur wenige Wochen nach dem tragischen Tod des Eigentümers Leonid Radvinsky steht OnlyFans vor einem millionenschweren Einstieg institutioneller Investoren. Die Plattform ist in fortgeschrittenen Verhandlungen, eine Minderheitsbeteiligung von unter 20 Prozent an den US-Investmentfonds Architect Capital aus San Francisco zu verkaufen. Die Bewertung soll dabei über 3 Milliarden US-Dollar liegen. Ein Deal könnte bereits im Mai 2026 unter Dach und Fach sein.

Für die gesamte Creator Economy – und besonders für den Adult-Bereich – ist das ein Meilenstein. Nicht nur wegen der gigantischen Summe, sondern vor allem wegen der strategischen Ausrichtung: Die Investoren wollen OnlyFans gezielt zu einem Finanzdienstleister für Creator ausbauen und damit das jahrelange Banken- und Zahlungssystem-Problem der Branche endlich angehen.

Der Tod von Leonid Radvinsky wirft Schatten – und beschleunigt den Verkauf

Der 43-jährige Leonid Radvinsky, ukrainisch-amerikanischer Unternehmer und seit 2018 Mehrheitseigentümer von OnlyFans (über die britische Fenix International Ltd.), starb am 20. März 2026 nach langer, bis zuletzt geheim gehaltener Krebserkrankung. Das Unternehmen bestätigte: „Leo ist friedlich verstorben.“ Seine Anteile liegen seither im LR Fenix Trust, der von seiner Witwe Katie Chudnovsky und der Familie verwaltet wird. Radvinsky selbst blieb immer im Hintergrund – keine Interviews, kaum Fotos, aber ein Vermögen von zeitweise fast 5 Milliarden Dollar.

Sein Tod hat die ohnehin laufenden Verkaufsgespräche verkompliziert, aber auch beschleunigt. Noch im Januar 2026 hatte Architect Capital eine Mehrheitsbeteiligung von fast 60 Prozent zu einer Enterprise-Value von rund 5,5 Milliarden Dollar angepeilt. Nun ist es eine deutlich kleinere Minderheitsbeteiligung zu einer niedrigeren, aber immer noch beeindruckenden Bewertung von über 3 Milliarden. Die Kontrolle bleibt bei den Familienstrukturen. Dennoch: Es ist das erste Mal, dass ernsthaftes institutionelles Kapital aus den USA in OnlyFans einsteigt – und das in einem Umfeld, das für traditionelle Investoren lange tabu war.

Der entscheidende Hebel: Finanzdienstleistungen gegen Diskriminierung

Der wirklich spannende Teil des Deals liegt nicht nur in der Bewertung, sondern in der geplanten strategischen Zusammenarbeit. Architect Capital hat laut Berichten von Bloomberg, Financial Times und Reuters ausdrücklich Interesse bekundet, OnlyFans zu einem vollwertigen Finanzpartner für Creator zu machen. Das bedeutet:

  • Neue Banking- und Zahlungslösungen direkt auf der Plattform
  • Bessere Auszahlungsmöglichkeiten ohne die üblichen „Debanking“-Risiken
  • Finanzprodukte, die speziell auf die Bedürfnisse von Adult-Creatorn zugeschnitten sind (Kredite, Versicherungen, Steuertools etc.)

Das ist keine Randnotiz – das ist der Gamechanger. Seit Jahren kämpfen Sexarbeiter:innen und Adult-Creator mit systematischer finanzieller Diskriminierung: Banken kündigen Konten, Payment-Provider frieren Auszahlungen ein, Kredite werden verweigert. Studien der Free Speech Coalition und Berichte von Betroffenen zeigen: Über 60 % der Adult-Worker haben schon einmal ein Bankkonto verloren, 50 % wurden Kredite verweigert. OnlyFans selbst musste 2021 beinahe expliziten Content verbieten, weil Banken wie JPMorgan Chase und Visa Druck machten.

Architect Capital will genau hier ansetzen. Die Firma hat Erfahrung mit Asset-based Lending und sieht in OnlyFans die Chance, eine Infrastruktur aufzubauen, die Creator unabhängiger von traditionellen Banken macht. Langfristig wird sogar eine Börsennotierung (IPO) für 2028 ins Spiel gebracht.

Warum das für die gesamte Adult-Branche historisch ist

OnlyFans hat seit der Übernahme durch Radvinsky 2018 die Pornobranche revolutioniert: Vom reinen Tube-Pornogeschäft hin zu einem Creator-first-Modell, bei dem Performer:innen direkt Geld verdienen. 20 % Plattformgebühr, der Rest geht an die Creator. Während der Pandemie explodierte die Nutzerzahl auf über 188 Millionen. 2024 schüttete Radvinsky allein 701 Millionen Dollar Dividende aus – insgesamt über 1,8 Milliarden seit 2021.

Doch trotz des Erfolgs blieb die Plattform in einer Grauzone: Schwierigkeiten bei der Kapitalbeschaffung, regulatorische Hürden, Reputationsrisiken für Investoren. Genau deshalb ist dieser Deal so bedeutsam. Zum ersten Mal betritt „Mainstream“-Investmentkapital vorsichtig die Adult-Creator-Economy. Es signalisiert: Die Branche ist nicht mehr nur „Vice“ – sie ist ein ernstzunehmender, milliardenschwerer Wirtschaftszweig mit stabilen Cashflows.

Für die Millionen Creator weltweit könnte das bedeuten:

  • Mehr Stabilität bei Auszahlungen
  • Weniger Angst vor plötzlich gesperrten Konten
  • Professionellere Finanztools, die das Business endlich wie ein echtes Business behandeln
  • Langfristig mehr Legitimität und weniger Stigmatisierung

Natürlich bleiben Risiken: Wird Architect Capital die Plattform in eine andere Richtung drängen? Bleibt der Fokus auf Adult-Content oder wird versucht, „sauberer“ zu werden? Wie reagiert die Familie Radvinsky langfristig? Und wie sieht es mit Datenschutz und Content-Moderation aus?

Ein neues Kapitel für die Creator Economy

OnlyFans steht an der Schwelle zu etwas Größerem. Der Minderheitsdeal mit Architect Capital ist nicht nur ein Finanzgeschäft – er ist ein Statement. Institutionelles Geld erkennt endlich an, was Millionen Creator schon lange wissen: Die Adult-Branche ist innovativ, resilient und wirtschaftlich enorm relevant.

Leonid Radvinsky hat die Plattform groß gemacht. Sein plötzlicher Tod hat ein Vakuum hinterlassen. Doch genau dieses Vakuum könnte nun den Weg frei machen für den nächsten großen Schritt: von der reinen Content-Plattform hin zu einem echten Finanz-Ökosystem für Creator.

Die Branche schaut gebannt nach San Francisco und London. Wenn der Deal zustande kommt – und alles deutet darauf hin –, dann ist das nicht nur eine Bewertung von über 3 Milliarden. Es ist der Moment, in dem die Adult-Creator-Economy endgültig im Mainstream ankommt.

Willkommen in der neuen Ära, OnlyFans. Die Creator warten nicht nur auf bessere Auszahlungen – sie warten auf Respekt und echte finanzielle Souveränität.

Quellen: Bloomberg, Financial Times, Forbes, Reuters, The Guardian, New York Post (Stand 17.–23. April 2026) sowie offizielle Unternehmensaussagen.

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