Profitiert die Erotikbranche vom Krypto-Kunst-Boom?

Porn industry embraces NFT Blockchain Art

Der jüngste Trend in der mehr als extravaganten Welt des Kunsthandels sind Blockchain-basierte NFT-Kunstwerke. Angetrieben durch den Kryptowährungs-Hype der letzten Monate, entdeckten immer mehr Künstler einen Weg, digitale Kunst mit Blockchain-Technologie zu verkaufen. Und wo sich Geld und Tech treffen, ist die Erwachsenenunterhaltung natürlich niemals weit entfernt. Wie sich herausstellt, sind viele Darsteller, Performer und Erotik-Künstler bereits an der Spitze des kommenden NFT-Booms.

Während die meisten Menschen immer noch Skepsis gegenüber Kryptowährungen hegen und eine Mehrheit nicht einmal weiß, wie man Bitcoins eigentlich kauft, hat der Hype an den Krypto-Märkten zu einer immer schnelleren Entwicklung von zusätzlichen Nutzungsmöglichkeiten der Blockchain-Technologie geführt. Digitale Künstler entdeckten einen Weg, ihre Kunstwerke einzigartig zu machen, indem sie sie in sogenannte non-fungible tokens auf der Blockchain umwandelten. Im Grunde haben sie damit das Problem umschifft, das alle digitalen Medien haben: Sie können kopiert werden und daher gibt es kein Original wie bei traditionellen Kunstformen. Eine NFT jedoch kann nur einmal existieren, was das Kunstwerk oder Bild oder den Film oder was auch immer man in eine NFT umwandelt, zum Äquivalent eines Originals macht, das dann zu einem höheren Preis verkauft werden kann.

Kürzlich sorgte der Künstler Mike Winkelman (Bleeple) für Schlagzeilen mit einem von ihm erstellten JPG, das für fast 70 Millionen Dollar über das berühmte Auktionshaus Christie’s versteigert wurde. Das war jedoch kein Einzelfall, kurz zuvor verkaufte er einen NFT-Videoclip für fast 7 Millionen Dollar. Nicht nur Kunst, sondern auch seltsame andere digitale »Objekte« werden nun seit einiger Zeit in NFT verwandelt. So versteigerte beispielsweise Twitter-Gründer Jack Dorsey seinen allerersten Tweet bzw. eine digitale NFT eben dieses Tweets.

Wird die Sexbranche erneut zur treibenden Kraft für neue Technologien?

Wie bei VHS und dem Internet, Streaming-Plattformen, File-Sharing-Technologien und abonnementbasierten Websites ist die Erwachsenenunterhaltung bereits direkt zu Beginn ein aktiver Motor der neuen NFT-Bewegung, die bis jetzt vielleicht nur ein kurzlebiger von Kryptowährungen angetriebener Hype war. Aber wenn Erotikdarsteller, Künstler und Sexarbeiter Wege finden, NFTs zu einer stabilen Einnahmequelle zu machen, würde das wahrscheinlich bedeuten, dass sich NFTs etablieren und zu einer alltäglichen Erscheinung werden.

Das Rolling Stone Magazine veröffentlichte einen Artikel über mehrere Erotikdarstellerinnen und Femdom-Produzentinnen, die begonnen haben, die Blockchain-Technologie zu nutzen, um Geld zu verdienen. Der Bericht erzählt von einer Frau, die sich selbst Cryptonatrix nennt und digitale Bilder von Silicon Valley Kapitalisten wie Elon Musk und Vladimir Tenev (dem CEO von Robinhood) in BDSM-bezogenen Szenarien verkauft, in denen sie den scheinbar übermächtigen Mann dominiert. Eines ihrer Bilder wurde für fast 2.000 Dollar verkauft.

Der Besitz einzigartiger Objekte: Kunst im Zeitalter des Digitalen

Cryptonatrix bezeichnet ihre digitale Kunst als »Kommentar zu politischen und sozialen Ereignissen in Verbindung mit Femdom-Themen« und zielt mit ihren Bildern auf einen erweiterten Kunstmarkt. Doch es ist leicht vorstellbar, dass die NFT-Technologie auch in anderen Bereichen der Erwachsenenunterhaltung eingesetzt werden kann. Vor allem Content-Ersteller, die bereits auf Clip-Seiten erfolgreich sind (wie es viele Femdom-Künstler und Custom-Porno-Produzenten sind), können von dem Wunsch ihrer Fans profitieren, einzigartige Bilder, Videos und damit sehr authentische, private, seltene digitale Objekte ihrer Stars zu besitzen.

In einem Interview mit dem Rolling Stone sagte Cryptonatrix: »Viele Käufer sind nicht wirklich daran interessiert, etwas auf der Blockchain zu erwerben, weil sie einfach nur wichsen wollen. Aber einige von ihnen lieben wirklich die Idee, ein digitales Token zu besitzen und derjenige zu sein, der dieses besondere Bild besitzt, das ihr Lieblingsschöpfer geprägt hat.«

Keine Zensur, keine Piraterie: Ein perfektes Geschäftsmodell für Pornos?

Die auf Kryptowährung basierenden NFT-Plattformen könnten zudem eine gute Möglichkeit sein, Zensur- und Shadow-Banning-Probleme zu umgehen, auf die viele Akteure der Erwachsenenunterhaltung stoßen, wenn sie versuchen, traditionelle Bankdienstleistungen und Zahlungsabwickler zu nutzen. Paypal ist noch heute berühmt und berüchtigt für seine Weigerung, Transaktionen im Erwachsenenbereich zu verarbeiten.

Die Erotikdarstellerin Allie Eve Knox bietet derzeit ein Fetisch- und Kink-Kunstwerk namens »Allie in the City, Two« an, in dem sie als Riesin dargestellt wird, die über Madrids berühmtem Edificio Metropolis thront. Davor verkaufte sie erfolgreich »Allie in the City, One« für über 500 Dollar.

Über die Vorteile, die die neue Technologie den Machern von Erwachsenenunterhaltung bieten könnte, sagte sie: »In den alten Limewire-Tagen haben die Leute nur Scheiße heruntergeladen, weil sie es konnten, weil wir den Leuten beigebracht haben zu glauben, dass es so einfach und verfügbar ist, dass man es überall bekommen kann. Die Leute wieder dafür zu sensibilisieren, Kunst oder Musik oder Nacktbilder zu kaufen, ist eine gute Entwicklung für Sexarbeiterinnen, weil es die Menschen ermutigt, Geld in individualisierte, exklusive Inhalte zu investieren. Es trainiert die Leute, für ihre Pornos zu bezahlen.«

Porno-Studio veröffentlicht einen seiner Hits als NFT

Der legendäre Internetpionier Wasteland.com hat jetzt die NFT-Versteigerung des ersten preisgekrönten Pornofilms angekündigt, den das Studio veröffentlicht hat. AVN berichtet derzeit über diesen neuen Versuch, den Katalog eines Studios erneut zu monetarisieren: »Wastelands neu veröffentlichter NFT-Film zeigt Raven Riley und Liz Vicious im Horror-Pornofilm Succubus – einem abendfüllenden Film, der 2005 in Dayton, Ohio, produziert wurde – einschließlich nie zuvor veröffentlichtem Material der beiden Darstellerinnen.«

Wasteland-Besitzer und Mitbegründer Colin Rowntree sagte über sein Experiment im aufkommenden NFT-Geschäft: »Ich finde NFT als Technologie und Vertriebsmedium faszinierend. In einer Zeit, in der die ungehinderte Piraterie von Inhalten für Erwachsene den wahrgenommenen Wert von Pornos als Produkt völlig zerstört hat, sind NFTs ein faszinierende, neu entstehende Möglichkeit, um den verloren gegangenen Wert durch echte Verknappung wiederherzustellen.«

Riskante Vorinvestitionen bei ungewisser Zukunft der Blockchain-Technologie

Aber wie bei vielen neuen Technologien gibt es auch hier Schattenseiten und Unwägbarkeiten. Im Moment können z.B. NFTs nur auf der von Ethereum verwendeten Blockchain erstellt werden. Und sogenannte Gas Fees, also Ethereum-Verarbeitungsgebühren, machen es ziemlich riskant, NFTs zu erstellen. Und aufgrund des sehr volatilen Marktpreises von Kryptowährungen wie Ethereum sind Kosten und Nutzen schwer vorherzusagen. Darüber hinaus könnte, wie bei allen Internetplattformen, wachsender Erfolg und wachsendes Publikum bedeuten, dass Plattformen, die NFTs verkaufen, anfangen könnten, Inhalte zu zensieren, so wie es Social-Media-Plattformen und Zahlungsabwickler in der Vergangenheit getan haben.

Und im Moment ist auch das wichtige Thema der Altersverifikation nicht gelöst. Cryptonatrix sagt dazu: »Man kann schlicht nicht wissen, wie alt der Käufer ist oder wer in den Inhalten vorkommt, oder wie alt die Person ist oder ob sie ihr Einverständnis dafür gegeben hat. Das macht mir große Sorgen dabei.«

Im Moment aber sorgt die neue Technologie für frischen Wind, Fantasie und einen Innovationsschub. Es entstehen neue Wege, Inhalte zu erstellen und zu verkaufen. Und eines ist sicher: Die Erwachsenenunterhaltung wird eine große Rolle beim Erfolg oder dem letztendlichen Scheitern der Technologie spielen.

Wenn Sie mehr über die Technologie und die Voraussetzungen für die Erstellung von NFT-Kunstwerken erfahren möchten, finden Sie hier ein Tutorial und einige Hintergrundinformationen aufbereitet vom Digitalkünstler Aaron Rutten.

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