
Berlin, Dezember 2025 – Es gibt Momente, in denen die Erotikbranche sich selbst ins Knie schießt, und genau einer davon spielt sich gerade vor den Toren Zürichs ab.
„Halt die Fresse und geh arbeiten.“ So soll die neue Chefin der Extasia Pussycat auf ganz normale Nachfragen reagiert haben – Nachfragen, die jede Profi-Performerin stellt, wenn sie wissen will, mit wem sie auf der Bühne steht, wie der Ablauf aussieht und ob die Chemie überhaupt passt. Jenny Stella, eigentlich als Ambassadorin gebucht, hat daraufhin höflich abgewunken: Nein danke, ohne klare Absprachen und mit diesem Ton fahre ich nicht nach Winterthur. Verständlich. Wer wollte schon freiwillig in eine Liveshow steigen, neben jemandem, zu dem man keinerlei Verbindung hat – noch dazu, wenn die Antwort auf berechtigte Fragen ein derartiger Schlag unter die Gürtellinie ist.
Mia May, seit Jahren die größte und beliebteste Ausstellerin aus der Schweiz, hat ebenfalls die Reißleine gezogen. Ihre Botschaft war klar und präzise formuliert: Man kann eine Messe kaufen, aber man kann die Menschen nicht kaufen, die sie seit Jahrzehnten tragen. Respekt, sagte sie, sei das absolute Minimum – gegenüber den Darstellerinnen, gegenüber den Besuchern, gegenüber einem ganzen Land, das sich jahrelang loyal gezeigt hat.
Beide Frauen haben ihre Absage früh kommuniziert. Beide werden trotzdem weiter auf Plakaten, Flyern und der Website als Zugpferde beworben. Das ist nicht einfach schlampig, das ist schlichter Betrug an den Leuten, die Eintritt zahlen, um genau diese Performerinnen live zu erleben.
Man könnte jetzt die Augen verdrehen und sagen: Drama in der Porno-Ecke, wen interessiert’s. Aber genau hier liegt der Punkt: Die Erotikbranche lebt nicht von Silikon und Stöhnen allein, sie lebt von Vertrauen. Vertrauen darauf, dass Absprachen eingehalten werden, dass Menschen ernst genommen werden, dass Werbung mit der Realität übereinstimmt. Wenn eine Messeleitung glaubt, sie könne Darstellerinnen wie austauschbare Requisiten behandeln, dann sägt sie am Ast, auf dem die gesamte Veranstaltung sitzt.
Jenny Stella und Mia May stehen gerade für etwas, das in dieser Branche selten laut ausgesprochen wird: Dass Professionalität und Selbstrespekt sich nicht ausschließen. Dass man auch nackt auf der Bühne Würde haben darf. Dass gute Erotik immer auch gute Kommunikation ist – vor, auf und hinter der Bühne.
Die Extasia 2025 wird stattfinden. Ob sie noch die gleiche Bedeutung haben wird wie in den Jahren zuvor, hängt jetzt weniger von den Quadratmetern Standfläche ab als von der simplen Frage, ob die neue Leitung begreift, dass man eine Community nicht einfach übernehmen kann wie einen Aktenschrank.
Wer mehr hören will, kann das. Mia May hat ein langes, sehr offenes Video-Interview veröffentlicht (Link siehe unten). Jenny Stella ist ebenfalls bereit, Rede und Antwort zu stehen.
Vielleicht ist das der eigentliche Gewinn dieser hässlichen Geschichte: Dass zwei erfahrene Frauen sich nicht mehr alles gefallen lassen – und dass sie dabei weder kreischen noch beleidigt in die Ecke gehen, sondern einfach klare Grenzen ziehen. Das ist nicht nur anständig. Das ist, mit Verlaub, verdammt sexy.
Interview Mia May: https://mia-may.com/interview/miamay_teilt_aus_extasia2025.mp4 Kontakt Jenny Stella: [email protected]
Kontakt Mia May: [email protected]