Ausstellung für Sexspielzeug in der Alten Apotheke auf St. Pauli

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Hamburgs legendäres Rotlichtviertel St. Pauli ist während der Pandemie so menschenleer wie alle anderen Orte der Welt. Aber es ist immer noch einer der originellsten und kreativsten Plätze überhaupt. Die Besitzerin der ehemaligen Apotheke »L’Apotheque« kooperiert nun mit einer Sexspielzeug-Historikerin und mehreren hochkarätigen Medienschaffenden und Persönlichkeiten. Die Ausstellung ist vorerst nur online zu besichtigen, scheint aber ein zukünftiger touristischer Magnet für die Zeit nach der Pandemie zu sein.

Die alte Apotheke in Hamburg St. Pauli ist zu einer Art Dildo-Museum geworden. Die Sexspielzeug-Historikerin Nadine Beck hat ihre Sammlung an die Erbin der historischen Apotheke ausgeliehen, die noch mit Auslagen und Möbeln aus der Jahrhundertwende ausgestattet ist. Wäre da nicht die COVID-Pandemie, könnten die Besucher einen Blick auf die sich ständig verändernden Formen und Designs werfen, die Sexspielzeuge und Dildos im Laufe der Jahrzehnte annahmen.

Beck hat ihre Doktorarbeit über die Geschichte des weiblichen Sexspielzeugs, insbesondere aus den 50er und 60er Jahren, geschrieben. Über ihr Spezialgebiet sagte sie, dass ihr Forschungsinteresse mit der Erfindung des Massagestabes einsetzt. Beck hat sich insbesondere mit der Einstellung der Menschen zu Sexspielzeugen beschäftigt. Sie spürte der Frage nach, was die damaligen Menschen dazu dachten. Wurden diese Spielzeuge begrüßt? Haben die Frauen gesagt: Ja, endlich kann ich einen Orgasmus haben, wann immer ich will? Oder haben die Männer gesagt: Das ist unfairer Wettbewerb.

Nun bildet ihre Sammlung interessanter Spielzeuge, manche diskreter, manche ausgefallener wie »The Imperator« oder das seltsame Spielzeug, das wie eine Plastik-Küchenwaage aus der ehemaligen DDR aussieht, die Ausstellung in der L’Apoteque.

Anna Genger ist die Tochter der ehemaligen Apothekerin, die die 1799 gegründete historische Apotheke über 50 Jahre lang führte. Genger versteht sich als Multimedia-Künstlerin. Sie sei keine Apothekerin, so die sympathische Unternehmerin. Sie versteht sich als Künstlerin. So sei ihr die Idee gekommen, aus der ihr hinterlassenen Apotheke ein Museum für historische Sexspielzeuge zu machen und gleichzeitig zeitgenössische Kunst auszustellen.

Über die aktuelle Ausstellung sagte Genger, dass sie eine Brücke zwischen Sexualität und Kunst schlagen will, so dass Themen wie Sexualerziehung, Feminismus und Weiblichkeit auf pädagogische Art und Weise gezeigt werden können. Die Inspiration für die Neukonzeption der L’Apotheque fand sie durch ihr Aufwachsen im Hamburger Rotlichtmilieu. Ihre Mutter war sehr liberal und hat sich schon vor vielen Jahrzehnten für Transsexuelle eingesetzt, als das Thema noch zu schwierig war, um überhaupt in der Öffentlichkeit angesprochen zu werden.

Anna Genger hat sich mit Myriam Karsch, Chefredakteurin der deutschen Ausgabe des Playboy-Magazins, der lokalen Aktivistin Ana Amil und Bianca Müller, die als Kreativdirektorin bei L’apotheque arbeitet, zusammengetan.

Die Ausstellung kann vorerst nur online besucht werden. Sie können die Seite hier aufrufen.

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